Microsoft zieht sich wegen Stromversorgung aus Nscales KI-Rechenzentrum in Essex zurück
Microsoft hat sich wegen Bedenken bei der Stromversorgung aus dem geplanten KI-Rechenzentrum des britischen Unternehmens Nscale in Loughton in Essex zurückgezogen. Damit fehlt dem Standort sein einziger angekündigter Kunde.

Microsoft hat sich aus einem großen KI-Rechenzentrumsprojekt in Loughton im englischen Essex zurückgezogen, und zwar wegen Bedenken bei der Stromversorgung. Die Entscheidung, die am 18. Oktober 2026 bekannt wurde, beendet die Vereinbarung des US-Konzerns mit Nscale, dem britischen Unternehmen, das den Standort entwickelt.
Microsoft gehörte zu den größten geplanten Kunden der Anlage und sollte als Ankermieter fungieren. Mit dem Ausstieg verliert Nscale den einzigen Kunden, den das Unternehmen für das Rechenzentrum in Essex öffentlich genannt hatte. Berichten zufolge ist Microsoft weiterhin an einem separaten Nscale-Projekt in Norwegen beteiligt.
Ein Vorzeigeprojekt unter Druck
Als das Vorhaben 2025 vorgestellt wurde, pries die Regierung das Projekt in Loughton als größtes KI-Rechenzentrum des Landes an. Keir Starmers Regierung stellte es im selben Jahr im Rahmen der Vorstellung der KI-Strategie des Vereinigten Königreichs heraus und bezeichnete es als „größtes souveränes KI-Rechenzentrum Großbritanniens“. Die Eröffnung war für 2027 geplant.
Das Projekt sieht sich wachsenden Zweifeln gegenüber. Berichte aus dem März 2026 zeigten, dass das vorgesehene Gelände noch als aktiver Gerüstlagerplatz genutzt wurde. Etwa einen Monat vor Microsofts Entscheidung wurde bekannt, dass Probleme bei der Stromversorgung den Zeitpunkt, zu dem die Anlage ans Netz gehen kann, um einen erheblichen Zeitraum verschieben würden.
Börsenpläne in Gefahr
Nscale, zu dessen Investoren Nvidia gehört, vermarktet sich als „souveräner“ Rechenzentrumsanbieter Großbritanniens. Das Unternehmen strebt in diesem Jahr einen Börsengang an der Wall Street bei einer möglichen Bewertung von 35 Milliarden US-Dollar (26 Milliarden Pfund) an. Der Verlust des Ankermieters in Loughton könnte diese Präsentation gegenüber Investoren schwächen.
Ein Sprecher von Nscale erklärte: „Wir bleiben sowohl dem Projekt in Loughton als auch Großbritannien verpflichtet.“ Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben alternative Stromquellen für den Standort sowie weitere Ausbauflächen in Großbritannien. Die Beziehung zu Microsoft beschrieb es als stark und langfristig angelegt. Ein als londonweites Netzproblem bezeichneter Umstand betreffe seine anderen Verträge nicht.
Der Rückschlag zeigt, wie sehr die Kapazität der Stromnetze zu einer harten Grenze für den KI-Infrastrukturboom wird. Rechenzentren bilden die Grundlage für Dienste wie Chatbots und verbrauchen enorme Mengen Strom. Die Sicherung dieser Energie könnte für die Hoffnungen der britischen Regierung auf den Aufbau eigener, souveräner KI-Kapazitäten entscheidend sein.
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