McKinsey testet Bewerber mit einem KI-simulierten Kunden
McKinsey & Company will einige Einstiegskandidaten im Bewerbungsprozess ein etwa zehnminütiges Gespräch mit einer KI-Simulation eines Kunden führen lassen.
Die globale Unternehmensberatung McKinsey & Company plant, einige Bewerber für Einstiegspositionen während des Einstellungsverfahrens mit einem KI-generierten Kunden sprechen zu lassen. Laut einem Bericht des Wall Street Journal, über den am 14. Oktober 2026 berichtet wurde, führen die Bewerber im Rahmen ihrer Vorstellungsgespräche etwa zehn Minuten lang ein Gespräch mit dem simulierten Kunden als einen Schritt des Auswahlprozesses.
Die Übung betrifft einige, aber nicht alle Bewerber für Einstiegspositionen. Viele Details sind noch unklar: Es ist bislang nicht bekannt, welche Büros oder Rollen die Simulation nutzen, wann sie starten soll oder wie die Leistung der Kandidaten bewertet und im Verhältnis zu anderen Teilen des Verfahrens gewichtet wird.
Eine Variante des klassischen Case Interviews
McKinsey ist seit Langem für seine Case Interviews bekannt, in denen Bewerber gemeinsam mit einem Interviewer in Echtzeit ein betriebswirtschaftliches Problem durcharbeiten. Der KI-Ersatz für einen Kunden scheint darauf ausgelegt zu sein, eine andere Fähigkeit zu prüfen: wie gut ein angehender Berater ein Live-Gespräch mit jemandem führt, den er im Job später beraten würde.
Der Schritt passt zu einem breiteren Trend, bei dem Arbeitgeber KI in die Personalgewinnung einbinden, vom Screening von Lebensläufen bis zur Durchführung erster Interviews. Dass Kandidaten jedoch direkt mit einer KI-Figur sprechen, macht aus diesem Trend ein interaktiveres, rollenspielartiges Format.
Warum das wichtig ist
Da McKinsey zu den einflussreichsten Namen in der Beratungsbranche gehört, werden seine Einstellungspraktiken häufig von Wettbewerbern und anderen großen Arbeitgebern beobachtet und übernommen. Sollte sich die Simulation als nützlich erweisen, könnten ähnliche Werkzeuge im Recruiting professioneller Dienstleister schnell Verbreitung finden.
KI-gestützte Bewertungen werfen zudem bekannte Fragen nach Fairness, Transparenz und möglichen Verzerrungen bei der Beurteilung von Bewerbern auf. McKinsey hat nicht öffentlich dargelegt, wie das System entwickelt und geprüft wurde, und weitere Informationen zur Einführung liegen noch nicht vor. Für Absolventen, die sich auf Beratungsjobs bewerben, könnte die Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch bald auch das Üben von Gesprächen mit einer Maschine umfassen.
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