WEF fordert, KI-Rechenzentren in der MENA-Region als kritische Netzlasten einzustufen
Das Weltwirtschaftsforum sagt, die Regierungen in Nahost und Nordafrika sollten KI-Rechenzentren als "kritische dynamische Lasten" einstufen und ihre Stromplanung grundlegend überdenken.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat die Länder in Nahost und Nordafrika (MENA) aufgefordert, Rechenzentren für künstliche Intelligenz als "kritische dynamische Lasten" einzustufen und ihre Energieversorgung neu zu planen. In einem Bericht, über den am 17. Oktober 2026 berichtet wurde, warnt das Forum, dass der stark steigende Strombedarf, knappes Wasser und extreme Hitze das Vorhaben der Region gefährden könnten, zu einem globalen Drehkreuz für KI-Infrastruktur zu werden.
Laut WEF muss die Stromkapazität der Region bis 2030 um 40 Prozent wachsen, aktuelle Prognosen rechnen jedoch lediglich mit einem Plus von 15 Prozent. Diese Lücke wirft Zweifel auf, ob die Stromsysteme mit dem raschen Ausbau energiehungriger KI-Anlagen Schritt halten können.
Verpflichtende Bedarfsprognosen
Der Bericht empfiehlt, dass Regierungen KI-Rechenzentren als eigene Kategorie behandeln, getrennt von gewöhnlichen Industrie- und Gewerbekunden, und eine verpflichtende Prognose des Energiebedarfs einführen. Projekte mit mehr als 10 Megawatt IT-Last müssten detaillierte Stromprognosen mit ihren Netzanschlussanträgen einreichen. Zudem fordert der Bericht Koordinierungsgremien, in denen Entwickler, Versorger, Netzbetreiber und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten.
Das WEF hebt hervor, wie unterschiedlich KI-Arbeitslasten sind: Ein KI-Serverrack zieht 30 bis 100 Kilowatt, konventionelle Web-Anwendungen dagegen nur 3 bis 10 Kilowatt. Abrupte Laständerungen könnten Stromnetze destabilisieren, besonders dann, wenn mehrere Anlagen gleichzeitig vom Netz gehen oder wieder zugeschaltet werden.
Auch die Kühlung belastet das System stark. Laut Bericht entfallen auf sie mehr als 40 Prozent des Stromverbrauchs von Rechenzentren in der Region, während hohe Temperaturen und knappes Wasser die Kosten und den Druck auf die Ressourcen erhöhen.
Vier Handlungsfelder
Das Forum nennt vier Prioritäten: intelligentere Infrastrukturplanung, integrierte Energiesysteme, fortschrittliche Kühl- und Wassermanagementlösungen sowie vorausschauende Regulierung. Als mögliche Instrumente werden Solarstrom in Kombination mit Batteriespeichern, Erzeugung vor Ort, KI-gestütztes Energiemanagement, geschlossene Kühlkreisläufe und aufbereitetes Abwasser genannt. Kleine modulare Kernreaktoren und verbesserte geothermische Systeme gelten als langfristige Optionen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit jedoch noch ungewiss ist.
Eigenerzeugung hinter dem Zähler könnte den Ausbau von Rechenzentren um 12 bis 36 Monate beschleunigen, da sie die Abhängigkeit von Netzanschlüssen verringert, so der Bericht. Er fordert die Regierungen außerdem auf, Standards zu harmonisieren und grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. "Die Frage lautet nicht mehr einfach, ob die digitale Infrastruktur ausgebaut werden soll", schreibt das WEF und präsentiert seine Empfehlungen als Arbeitsrahmen für die nächsten fünf Jahre.
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